Demand Media - Suite101 2.0 ?

Die F.A.Z. macht heute mit zwei Beiträgen auf den Internet-Content-Provider Demand Media aufmerksam, der (kostenlose) Text- und Videobeiträge im Netz anbietet und die Produzenten dafür - gering - bezahlt. Was findet sich zum Thema noch so im Netz? Vermutlich hat Daniel Roth in Wired.com den bisher ausführlichsten Beitrag verfasst (bereits im Oktober 2009), in dem auch die Bezahlung der Autoren länger dargestellt wird. Über die wirtschaftliche Entwicklung im Vergleich zum Internetdienst About.com berichtete ReadWriteWeb im November genauer.

Laut “Business Insider” bietet Demand Media seine Inhalte auch großen Medienfirmen an, die damit Kosten für (feste und freie) Mitarbeiter sparen wollen.

Auch laut ReadWriteWeb wird den freien Autoren pro Stück zwischen 15 bis 30 Dollar gezahlt (für Videos laut New York Times 30 Dollar). Demnach soll es sogar einige Freie geben, die mehrere tausend Dollar pro Monat mit Demand Media verdienen, wobei solche Dimensionen die Ausnahme sein sollen.

Tony Rogers spricht in About.com von 15 Dollar für ein Stück mit 500 Worten (nicht: Zeichen!) und meint, dafür sollten professionelle Freie nicht arbeiten (About.com ist freilich Wettbewerber, hier wird angeblich ein Basishonorar von 675 Dollar im Monats für “Guides” gezahlt). Er erwähnt dabei auch die Kritik von Tony Silber, der Demand Media für einen “Sweatshop” hält. Eine andere Autorin berichtet in ReadWriteWeb von 3,50 Dollar pro Beitrag, meint aber, ein Bekannter habe es damit dennoch auf 20 Dollar pro Stunde gebracht.

Zum Businessmodell ist auch hier etwas ausführlicher zu lesen.

Das Modell erinnert an die Diskussion um Suite101.com. Zu dieser - auch in Deutschland aktiven - Firma, die immer wieder freie Journalisten wirbt, hatte auch dieser Freienblog schon mehrmals etwas berichtet, beispielsweise hier und hier und hier (insbesondere zu den Honoraren). Suite101.com hatte gerade angekündigt, auch in Deutschland in die Lokalberichterstattung einsteigen zu wollen. Über einen anderen Anbieter, Mediaquell, hatte der Freienblog kürzlich etwas verfasst.

Anzunehmen ist, dass diese Form der Inhalteproduktion in bestimmten Segmenten des freien Journalismus für einen Preissturz sorgen wird. Die Parallele zum Preisverfall im Bereich der Stockfotografie drängt sich auf. Einzige Ausnahme: Während Stockfotografie international produziert werden kann und damit im Zweifel die Produktionskosten von Fotografen in China, Vietnam oder Albanien das relative Minimum der Preisbewegung abbilden (wenn die Kostenlos-Angebote aus der PR-Fabrik, von Museen/Archiven oder Privatpersonen einmal ausgeblendet werden, die damit selbst das chinesische Produktionskostenniveau unterschreiten), sind Text- und Videobeiträge durch den Bedarf an deutscher Sprache und Kulturkenntnis ein Stück weit geschützter. Allerdings ändert das nichts daran, dass die Fließbandproduktion auch in Deutschland zu Centbeträgen erfolgen wird, weil Contentproduzenten oft nicht aus beruflichen Motiven tätig werden, sondern wegen Ruhm, aus Langeweile oder aus Altruismus, denn Wissen ist Macht, und den Machtlosen kostenlos zu helfen, ist edel und nicht schlimm. Journalisten müssen dann im Zweifel mehr bieten als ein Nebenberufler es kann. Das setzt auch nicht unbedingt kryptische Fähigkeiten voraus. Wenn in Frankreich eine Florence Aubenas monatelang die Putzfrau spielt und darüber berichtet (derzeit nachzulesen im gedruckten Nouvel Obs oder per Buch), ist journalistische Berichterstattung wohl auch eine Frage des Fokus, den andere so nicht legen (können).

Wenig Sinn macht es vermutlich, Demand Media mit dem Untergang des Berufsstandes in Verbindung zu bringen. An dem arbeiten schon ganz andere. So zeigt die DJV-Umfrage unter den freien Journalisten, dass nicht etwa die Online-Journalisten am wenigsten verdienen, die eigentlich von den Folgen vergleichbarer Geschäftsmodelle am härtesten getroffen sein müssten. Sie liegen mit rund 1.900 Euro im Monat zwar unter dem Durchschnitt der Freien, allerdings befinden sich die freien Journalisten an Tageszeitungen mit rund 1.500 Euro monatlich deutlich darunter. Tageszeitungen sind das Reich der Niedriglöhner im Bereich der freien Mitarbeiter - Redakteure arbeiten zunehmend als outgesourcte Leiharbeiter im Schlecker-Modus. Ob das die neuen Vergütungsregeln ändern werden, muss sich erst noch zeigen. Wer einigermaßen vernünftig verdienen will als freie/r Journalist/in, sollte vielmehr für Rundfunkanstalten arbeiten, online oder offline, oder für (große) Nachrichtenagenturen im Schichtdienst. Mit Kostenlos-Anbietern à la Suite101 hat geringer Verdienst jedenfalls derzeit wenig zu tun.

Und sonst? Über aktuelle Trends in der Vermarktung von (gerade auch lokalen) Inhalten berichten auch Maike Freund, Christin Otto und Nora Weis in einem Beitrag in “Medien Monitor”.

Weitere Tipps und Hinweise auf Beiträge von Dritten können im Kommentarfeld eingegeben werden.

Kommentarfunktion ist deaktiviert