suite101 - zwischen Umsatzpauschale und Klickbetrug
Die bisher auf die USA und Kanada ausgerichtete Autorenplattform “suite101″ will in Kürze auch in Deutschland starten und sucht noch freiberufliche Autorinnen und Autoren. Diese sollen regelmäßig Beiträge liefern; die Firma will die Texte dann für mindestens ein Jahr exklusiv im Internet* nutzen. Gezahlt wird allerdings kein festes Honorar, nicht einmal ein Grundhonorar. Lediglich eine Umsatzbeteiligung an der Werbung (regelmäßig Google-Anzeigen) wird eingeräumt. Die Klickzahlen auf den eigenen “Unterseiten” sind damit entscheidend.
Das Dilemma der Autoren besteht natürlich auch darin, dass sie durch ihre Beiträge einerseits die Bekanntheit von suite101 ausbauen, dadurch aber andererseits neue Autoren hinzukommen, die ihnen Leseranteile und damit Umsätze wegnehmen. Damit der (zu erwartende) Frust der Autorinnen und Autoren über geringe Umsätze und Einnahmen nicht zu Selbsthilfemaßnahmen führt, sind sogar die Folgen eines so genannten “Klickbetrugs” explizit in den Geschäftsbedingungen geregelt.
suite101 ist eine kanadische Firma und war bisher in den USA und Kanada aktiv. Dort erreicht sie laut Eigenangaben monatlich 4,5 Millionen Klicks. Wirtschaftlich erfolgreich war das Projekt bisher wohl weniger. In der Zeit der ersten Internet-Blase war es an der Börse notiert, später wurde es von Finanzinvestoren übernommen. In den USA hat suite101 laut dem Internet-Statistikdienst Quantcast Platz 775 unter den US-Seiten mit rund 2,5 2,8 Millionen Besuchern. Die am besten besuchte Rubrik ist laut Quantcast - in Analogie zu Marions Kochbuch in Deutschland - eine Rezepte-Unterseite http://southerncuisine.suite101.com. Sie erreicht einen Anteil von rund 2,5 Prozent der Besucher und damit rund 58.000 monatliche Besucher (in den USA laut Quantcast**). Nach Berichten von Nutzern zahlt suite101 pro 1.000 Klicks zwischen 1,50 Dollar und 4 Dollar. Das hieße: Selbst die am besten besuchte Seite von suite101.com führt zu einer Einnahme zwischen 100 bis 230 Dollar, umgerechnet also zwischen 70 bis 180 Euro monatlich.
Über die Bemessung der Umsatzbeteiligung in Deutschland ist noch nichts bekannt. Es erscheint aber zweifelhaft, dass die deutsche Ausgabe mehr zahlen wird als die amerikanische Variante. Das Angebot qualitativ hochstehender Internetangebote ist in Deutschland auch dank der öffentlich-rechtlichen Anstalten enorm. Viele andere Plattformen bieten Blogfunktionen an und sorgen damit dafür, dass sich der Benutzerstrom teilt.
Der DJV lehnt Honorarmodelle ab, die sich ausschließlich an Umsatzbeteiligungen orientieren. Für freie Journalisten ist das betriebswirtschaftlich nicht kalkulierbar. Die Orientierung an Klickzahlen sorgt zudem dafür, dass nach der Logik der Aufmerksamkeitsökonomie geschrieben werden muss, in der nicht Qualitätskriterien entscheiden, sondern eher libidinös-medienpathologisch besetzte Begriffswelten (”Paris Hilton”, “Sex”, “Hitlers Schäferhund”, “Hitler-Tagebücher wiedergefunden”, “NS-Goldschatz”, “Kannibalen”, “Heiliger Gral” etc.). Auch wenn es schwer ist, mit dem freien Journalismus Geld zu verdienen, wie beispielsweise auch aus der “Gamer-Szene” zu hören ist, sind Modelle wie von suite101.de keine Alternative. Zumal die Beiträge auch noch für ein Jahr lang für eine weitere Verwertung gesperrt sind. Selbstverständlich gibt es auch Autorinnen und Autoren, die darauf hoffen, dass ihr Talent durch suite101 bekannt gemacht wird. Diese Hoffnung sollte aber gleich wieder begraben werden - auch wenn in Einzelfällen tatsächlich Aufträge akquiriert werden, gilt doch für die meisten Freien, dass die Redaktionen ihnen nicht hinterherzulaufen pflegen - denn es kommt immer genug unbestellte Ware ins Haus. Um “Deutschland sucht den (Blog-)Superstar” handelt es sich hier ganz bestimmt nicht. Abgesehen davon, dass selbst die Helden solcher Shows meist keine selbstlaufenden Karrieren anzutreten pflegen. Eine Präsenz bei suite101.de ist insofern im Regelfall keine Lösung für Freie, sondern der Anfang eines Problems.
Siehe auch kritische Beiträge in US-Blogs, beispielsweise hier, sowie in deutschen Blogs bei Rainer Meyer und von Marion Lüttig.
Anmerkung 1: *im Internet und **(in den USA laut Quantcast) wurde am 5. Februar nachträglich eingefügt, siehe dazu auch in den Kommentaren.
Anmerkung 2: Zu den Berechnungsbeispielen und Klickzahlen siehe unten die Anmerkungen bei den Kommentaren. Wenn von Besuchern die Rede ist, meinen Quantcast-Zahlen immer “unique”-Besucher.

Am 30. Januar 2008 um 18:38 Uhr
das ist ja seltsam. da google ich das erste mal nach suite101 und finde gleich diesen brandneuen eintrag. ich bin seit dezember als autor bei
siute101 dabei und muss sagen, und finde es sehr interessant und sympathisch. was an geld am ende rauskommt, weiß ich natürlich auch nicht, bin da sehr gespannt. wahrscheinlich erstmal weniger als ich hoffe :-)) aber einige dinge in dem beitrag stimmen nicht! das mit dem “klickbetrug” ist doch absolut usus! das sind die google-regeln, damit anzeigen-manipulation verhindert wird. ich vermute sogar mal ganz stark, da hat suite101 sogar einfach den vorgegeben google-text übernommen.
daraus jetzt aber zu konstruieren, die wollten frust von autoren vorbeugen, ist ziemlich paranoid (bzw. sogar schlecht informiert/recherchiert). lebt ihr hinter dem mond??!! und das man seiten wie alexa oder quantcast immer vorsichtig genießen muss, sollte doch auch allgemein bekannt sein. bei mir steht übrigens 2,8 millionen - und das sind ja nur US-leser! keine ahnung, aber sicher kommen da schon noch ein paar hinzu aus anderen ländern.ob eure anderen zahlen stimmen und die rechnung, ist auch dahingestellt. auf dem us-blog haben ja auch autoren geschrieben, das die echten zahlen anders sind.
und warum habt ihr eigentlich von “finanzinvestoren” geschrieben? burda ist doch ein viel kürzeres wort, oder? und warum hat burde suite101 gekauft wenn es nicht erfolgreich ist? vor allem: was die qualität der artikel angeht, werdet ihr sogar ziemlich überrascht sein, glaube ich.
viele gute autoren dabei.
ich bin nicht blauäugig, will nur sagen: keine ahnung was passiert! aber dass suite101.de schon kritisiert, obwohl sie noch nicht mal gestartet sind, finde ich nicht gut! und die argumente und zahlen müssen schon stimmen. das ist ansonsten unseriös und paranoia! mir machts zumindest ziemlichen spaß. und wenn es sich nicht lohnt, kann ich aufhören. :-))
Am 31. Januar 2008 um 16:47 Uhr
Dem Beitrag schließe ich mich voll und ganz an. Ich gehöre auch zum Autorenkreis von suite101.
Mir macht es ebenso viel Spaß, darin zu arbeiten. Denn inzwischen ist das, wie der Name schon sagt, ein echtes Netzwerk.
Außerdem erlebe ich gerade, was es heißt, ein komplexes Online-System hoch professionell zu führen, technisch wie informativ.
Und, wie eine gute Kommunikation, bzw. tägliche Zusammenarbeit über das Internet aussehen kann.
Am 1. Februar 2008 um 08:23 Uhr
Wir haben auch so was:
http://blog.vfll.de/2008/01/24/auftrag-abgelehnt/
Am 1. Februar 2008 um 09:47 Uhr
Ich gehöre nicht zum Autorenkreis von suite 101, so dass ich mich mit meiner Webseite hier verlinken kann, ohne mich in Grund und Boden schämen zu müssen.
@XY: Dein Zitat “ich bin nicht blauäugig, will nur sagen: keine ahnung was passiert!” ist so wundervoll, danke für diese Erleuchtung.
Für Jemanden, der sich nicht dafür interessiert, was hinten rauskommt, hantiest Du aber erstaunlich mit nur unter einer bestimmten Gruppe gängigen Instrumenten wie Alexa.
Fürs nächste Mal. Wenn du versuchst, was Mieses schön zu reden, mach es einfach intelligenter.
@XYZ: Ob das jetzt zufällig die gleiche IP ist, wie XY sei mal außen vor.
Was du gerade erlebst ist, das AAL-Prinzip mit dem Versuch, billigen Content zu erhaschen. Hoch professionelle Autorenverarschung?
Es werden sich immer ein paar Dumme finden, die für Andere für Hungerlöhne arbeiten. aber dann darf man sich auch nicht wundern, wenn das so hochprofessionelle System abschmiert, weil niemand es lesen möchte und die wenigen guten Autoren dahin abwandern, wo sie anständig für ihre Arbeit bezahlt werden.
Am 1. Februar 2008 um 11:20 Uhr
Och nee - wie süüüß! Da googelt also einer ‘das erste Mal nach suite101′ - und dann ‘findet er gleich’ diesen absolut ‘brandneuen’ Eintrag. Und sein Buddy ’schließt sich ihm voll und ganz an’. Da kann ich nur sagen: Toi Toi Toi, ihr beiden …!
Am 1. Februar 2008 um 14:44 Uhr
@weltenweiser:
ich interessiere mich sehr wohl dafür, was hinten rauskommt. habe ich auch geschrieben: wenn es sich nicht lohnt, höre ich auf! meine erste zahlung von suite101 ist pünktlich gekommen, mal schaun, was die zukunft bringt. ihr scheint euch da ja sehr sicher zu sein. fragt sich also, wer hier blauäugig ist.
und das alexa usw. mit vorsicht zu genießen ist, dürfte doch wohl mittlerweile allgemeinwissen sein. ich hantiere übrigens gar nicht damit - sondern der autor des obigen beitrags stellt anhand von nicht-validen daten rechnungen an. die mögen stimmen oder nicht - ich weiss es nicht!!! - aber der autor weiss es eben auch nicht. er betreibt kaffeesatzleserei.
daher finde ich es seltsam, dass er (und du) zu dem schluss kommt, das ist alles mist oder mies - obwohl ihr weder die qualität von suite101 beurteilen könnte noch einen eindruck habt wie die mit ihren autoren arbeiten.
euer urteil steht schon fest, obwohl ihr längst nicht ausreichend infos habt (sogar noch weniger als ich!). das ist unseriös.
Am 1. Februar 2008 um 16:15 Uhr
XY schrieb: “das ist unseriös.”
Nein, XY, das ist schlicht und einfach: Erfahrung.
Am 1. Februar 2008 um 16:30 Uhr
Siehe auch das Update zum Thema suite101 unter http://freie.djv-online.de/?p=179
Am 1. Februar 2008 um 17:07 Uhr
XY: Nur mal so aus Interesse, wie hoch war denn die Zahlung für wie viel Arbeit?
Am 1. Februar 2008 um 18:34 Uhr
Ich frage mich, ob XYZ tatsächlich ein Schreiberling ist oder wohl doch eher ein “Festangestellter”, der nicht nach Klickrate bezahlt wird…
Autoren kann man nämlich von solchen Modellen nur abraten. Das ist Ausbeutung pur!
Am 1. Februar 2008 um 21:14 Uhr
@weltenweiser:
nur mal so grundsätzlich: sollte man so etwas nicht fragen, bevor man sich eine meinung bildet?
du warst dir doch schon sicher ich wäre ein dummer, der für einen hungerlohn arbeitet. da kommts doch jetzt im nachhinein auf so etwas nebenäsliches wie echte zahlen auch nicht mehr an - oder?
Am 4. Februar 2008 um 10:03 Uhr
XY: Du warst Dir ja auch sicher, Du würdest mehr über suite101 wissen, obwohl Du es gerade mal zum ersten Mal gegoogelt hast. Außer natürlich deinen Kontakten als “Autor”. Mich interessiert es speziell in deinem Fall, da ich weis, wie viel Andere dort verdienen. Woran Du nämlich augenscheinlich nicht gedacht hast, bevor du hier gepostest hast ist, dass Du Dich auf dem Portal des DJV befindest. Da musst Du leider damit rechnen, dass da sich auch Leute herumtreiben, die durchaus in der Lage sind zu recherchieren. Deren täglich Brot das ist. Das ist mehr, als nur mal so kurz bei Google nachzuschauen.
Ich sage es jetzt noch einmal ganz klar, damit Du es auch verstehst. Ich halte Deine Behauptungen hier für nichts anderes als für Marketing für suite101. Du erzählst, alles was in dem Artikel steht stimmt nicht, die sind ja so toll, aber du bist weder in der Lage, mit einem Namen hier aufzutreten, noch nachweisbare Fakten zu liefern, die das Gegenteil beweisen.
Etwas mehr als ein anonymes stimmt ja gar nicht, muss da schon kommen. Sehr viel mehr um genau zu sein, denn falls Du es noch nicht bemerkt hast, Deine Glaubwürdigkeit ist hier im Keller.
Am 4. Februar 2008 um 19:01 Uhr
ein hallo in die runde.
mit verlaub, auch ich bin schreiberling, hauptberuflich, seit mehr als zwanzig jahren. auch ich schreibe für suite 101 und ausgebeutet fühle ich mich nicht, habe ich doch durchaus mit vollstem bewusstsein jenen vertrag unterschrieben, dessen regelungen dem djv scheinbar nicht vorliegen.
hier anonym zu schreiben, liegt mir nicht. genauso wenig, wie mir liegt, über dinge zu urteilen, die ich nicht kenne.
jemand, der die ihm innewohnende weisheit der welt gern mit der menschheit teilen möchte, sollte besser zu recherchieren wissen und in weiser sicht auch darüber informiert sein, dass vieles nicht so ist, wie es scheint.
jemandem, der von erfahrung spricht, möchte ich mitteilen, dass es auch andere erfahrene menschen gibt, die nicht vorurteilen.
ein djv-schreiber, der sagt, dass es so viel arme schreiberlinge gibt, sollte darüber informiert sein, dass sein verband nur noch jene journalisten aufnimmt, die ein gewisses kapital haben bzw. einen mindestumsatz.
jene armen hinten den kulissen, die jeden tag um ihre existenz kämpfen, die nicht wissen, wovon sie leben sollen und die spitzwegs armen poeten alle ehre bieten, genau jene, die er erwähnt, die er bedauert - genau diese bräuchten den beistand vom djv! und genau diese werden nicht mehr im djv aufgenommen.
warum??? der edle ritter in verbandsgestalt ist ein hohn! wahrlich, hinter den kulissen sieht es oftmals anders aus. auch beim djv!
beste gruesse im vollsten bewusstsein und mit viel erfahrung,
barbara schuhrk
Am 4. Februar 2008 um 20:38 Uhr
Sorry, der Vertrag liegt uns ja vor. Sonst würden wir uns der Angelegenheit gar nicht widmen. Wir beschäftigen uns mit suite101 und dem Autorenvertrag, wenn Mitglieder uns darum bitten. Das ist passiert. Das Ergebnis ist, dass wir aus juristischer und betriebswirtschaftlicher Sicht davon abraten müssen. An der intensiven Abfrage dieses Beitrags ist auch zu sehen, dass das Thema viele Freie interessiert. Vor allem, mit welchen Einnahmen zu rechnen ist. Dass jetzt auch mehrere Tage nach dem Posting dieses Beitrags, der selbstverständlich von den Verantwortlichen von suite101 zur Kenntnis genommen wurde, keine qualifizierte Aussage zu garantierten oder zu erwartenden Honoraren vorliegt bzw. veröffentlicht wird, spricht doch im Grunde für sich. Wir sind gerne bereit, in suite101 bzw. für suite101 einen Autorenrat aufzubauen. Wir haben aber Zweifel, dass das von suite101 unterstützt würde.
Zum Thema DJV-Mitgliedschaft: Ein Mindesteinkommen - mindestens rund 1.000 Euro - aus freier Mitarbeit wird in der Regel vorausgesetzt. Warum? Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei Personen, die einen solchen Betrag nicht erwirtschaften können, eine Vertretung durch uns in der Regel zu nichts führt. Jemanden, der keine/kaum Auftraggeber hat bzw. sich - siehe suite101 - offenbar gerade immer solche sucht, von denen er/sie nicht oder kaum leben kann, vertreten zu wollen, führt von einem Problem zum nächsten. Im vorliegenden Fall ist es doch schon deutlich genug: Dass man sich trotz absehbaren Nichteinnahmen zu suite101 bekennt, ohne dass irgendwelche Zahlen genannt werden, ist rein betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Trotz allem muss man/frau (auch und gerade) Geld verdienen im Leben mit seinen Aktivitäten, anders geht es nicht. Die suite101-Autoren können das ja (sportlich) anders sehen, aber hier zeigt sich eben der Unterschied zwischen professionell arbeitenden Freien und Hobby-Autoren.
Das ist übrigens nicht irgendwie meine ganz besondere, seltsame private Meinung, sondern so vom DJV-Gesamtvorstand wiederholt in dieser Weise diskutiert und beschlossen worden. Daher wird auch der Presseausweis (DJV, ver.di, BDZV und VDZ) unterhalb dieser Grenze nicht ausgegeben.
Und ich wiederhole noch einmal: Wenn die suite101-Geschäftsführung wollte, könnte sie gerne mit uns über Vertrag und Honorarsystem verhandeln.
Am 5. Februar 2008 um 11:24 Uhr
@Barbara: Ich habe mich intensiv mit suite101 auseinandergesetzt. Tuen wir nicht so, als sei die hier geäußerte Kritik neu. Schon beim englischsprachigen Ableger hagelte es Kritik. Auch und gerade von seiten der Autoren, die sich deutlich bessere Einnahmen erhofft hatten. Ich hatte mich bereits vor diesem hier erschienen Artikel mit suite101 beschäftigt, auch wenn das vielleicht nicht so klar herübergekommen ist, aber zu meinen Spezialthemen gehört Recherche im sog. social Media Bereich und ich verfolge intensiv Bemühungen im sog. Web 2.0 Content generierende Produkte am Markt zu platzieren.
Mir ist, auch durch die Arbeit im DJV, durchaus bewusst, wie schwierig die Lage von vielen Freien in Deutschland ist. Ich habe das Glück fest angestellt zu sein und weis, dass dies mittlerweile die Ausnahme ist.
Ich halte es trotzdem nicht für sinnvoll, sich bei Projekten wie suite101 oder auch der Readers Edition zu engagieren. Ich kenne Niemanden, der durch das mitmachen bei solchen Projekten ein angemessenes Geld für seine Leistung erhält, sondern es ist ein Verkaufen unter Wert. Gleichzeitig signalisiert man durch die Teilnahme, das man bereit ist, für so wenig Geld zu schreiben. Das ist kontraproduktiv bei späteren Verhandlungen. Sich dafür einzusetzen, dass gute Arbeit auch gut bezahlt wird, halte ich für ein sinnvolles Ziel. unter anderem deshalb bin ich im DJV.
PS: Das das Weltenweiser-Intro Ironie ist, dachte ich wäre erkennbar.
Weltenweiser ist eine oft satirische Spielwiese, die nur gelegentlich journalistische Themen streift. Ohne Werbung, ohne Bezahlung. ein Luxus, den ich mir gönne aus der Lust heraus, zu schreiben. Man sollte nicht den Fehler machen, daraus auf meine Arbeit, insbesondere im Bereich Recherche, zu schließen.
Am 5. Februar 2008 um 14:49 Uhr
Disclaimer: Ich bin Autor bei Suite101. Ich habe bereits einige Artikel dort veröffentlicht, über Tennis und Politik/Geschichte, aber noch kein Geld bekommen, weil ich die vereinbarte Mindestzahl von 10 Texten noch unterschreite. Ich werde diese Zahl wohl am Wochenende erreichen. Pro Artikel bekomme ich je nach Erscheingsdatum zwischen 15 und 20 Euro Sonderhonorar. Bei überschlägigen zwei Stunden pro Artikel entspräche dies einem Stundensatz von 7,50 bis 10 Euro. Ich fühle mich bislang von Suite101 gut informiert, keineswegs verschaukelt. Ich halte die inhatliche Qualität der Seite für recht gut. Die redaktionelle Betreuung der Autoren kommt langsam ins Rollen. Ich bin freier Autor. Hobby-ist, würde der DJV sagen, und ich studiere Jura. Eine persönliche Website kann ich leider nicht angeben, da ich nicht so der ganz große Web-Selbstdarsteller bin, sehe auch nicht gut aus. Selbst auf meinem Autoren-Profil von Suite101 habe ich noch kein Foto und keinen Text. Über die Autorenschaft hinaus habe ich keine Verbindungen zu Suite101, stehe dem Projekt aber sympathisierend gegenüber.
Meine Meinung zu dem Ganzen: Ich bin etwas erstaunt, daß hier das vermeintliche Expertentum des DJV in Sachen Recherche beschworen wird. Nimmt man sich nämlich mal die Zeit zum Nachdenken und zum wirklichen Recherchieren, kommt man zu sehr bemerkenswerten Ergebnissen oder eher zu einigen offenen Fragen. Ich will Deinen guten Willen zu Wahrheit, Weltenweiser, nicht anzweifeln. Aber ich glaube nicht, daß Du Dich dabei zu sehr an den DJV ketten solltest. Meistens liegt die Wahrheit doch irgendwo in der Mitte. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.
Soweit ich das beurteilen kann, hat sich der DJV hier sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Einen Vertrag können die Autoren anscheinend nicht ganz korrekt lesen. Wenn auch nur die Hälfte von dem stimmen sollte, was Suite101 dazu am Sonntag im internen Autoren-Forum verlautbarte, würde ich mich nicht wundern, wenn irgendwo gerade die eine oder andere Gegendarstellung gegen den DJV vorbereitet wird. Genau diese interessante rechtliche Situation hat mich übrigens bewogen, selbst ein paar Recherchen anzustellen. Ich bin natürlich kein Presserechtler, aber manche womöglich falsche Tatsachenbehauptung erkennt man selbst als Halbinvolvierter zehn Meter gegen den Wind.
Ich kann nicht ausschließen, daß XY hier “aus berechtigtem Interesse” pro Suite101 schreibt. Das könnte durchaus sein. Das muß ja aber nicht heißen, daß er Unrecht hat.
1. Punkt:
In den Geschäftsbedingungen von Suite101 steht kein einziges Wort von Klickbetrug. Es steht stattdessen im Autoren-Vertrag. Außerdem hat XY anscheinend recht, daß Klickbetrug von Google geregelt bzw. verboten wird. Das ist Bestandteil der Programmrichtlinien von AdSense. Link: http://www.google.de/support/adsense/bin/answer.py?answer=48182&topic=8423 Wenn ich meinen Suite101 Autoren-Vertrag ankucke, steht dort unter Punkt 5.6. praktisch genau der gleiche Text. Wieso der DJV daraus ableitet, dies sei eine Vorsichtsmaßnahme gegen zu erwartenden Frust der Suite101 Autoren … seltsam, seltsam. Was hat man von solcher Art von Recherche zu halten? Auch presserechtlich möglicherweise interessant, meines Erachtens.
2. Punkt:
Es scheint eine sehr verkürzte Darstellung und mutmaßlich ebenfalls presserechtlich interessant zu sein, wenn der DJV schreibt, die Firma wolle die Texte der Autoren für “mindestens ein Jahr exklusiv nutzen”. In meinem Autoren-Vertrag, unter Punkt 3, steht etwas anderes. Da steht, die Exklusivität dauert exakt ein (1) Jahr, nicht mindestens. Außerdem gilt sie nur für das Internet. Ich könnte also meine Artikel sehr wohl für andere Medien verwenden.
Ob das machbar ist, sei natürlich hingestellt. Eher nicht, nehme ich an. Gleichwohl ist es verwunderlich, daß der DJV das Wort “mindestens” eingefügt hat, die Beschränkung auf das Internet dagegen vergaß. Nur ein Flüchtigkeitsfehler oder gewollt?
3. Punkt:
“Mag sein, dass sich Burda Digital Ventures an suite101 beteiligt.” Das ist doch eine höchst ungewöhnliche Formulierung für erfahrene Rechercheure. Ein offensichtlich gewollter zweifelnder Unterton, den ich für journalistisch unzulässig halte. Insbesondere, wenn man einen Blick auf diese Seite wirft: http://ventures.burdadigital.de/88_267.htm
4. Punkt:
Ich halte es für fragwürdig, XY’s Glaubwürdigkeit pauschal in Zweifel zu ziehen, selbst wenn er Dinge erwähnt, die zu stimmen scheinen und die der DJV anscheinend falsch darstellt.
4.1: Ja, es stimmt anscheinend, das Quantcast lediglich Besucher aus den USA zählt. Suite101-Leser aus Kanada, also dem Ursprungsland, Großbritannien, Australien, Irland, Neuseeland, Indien (??) und anderen englischsprachigen Ländern werden dort wohl gar nicht erfaßt. Rechercheure sollten das eigentlich wissen und in jedem Fall haben sie es zu erwähnen. Insofern scheinen die 4,5 Millionen, die Suite101 selbst meldet, durchaus realistisch zu sein. Wenn man sich die Quantcast-Kurve genauer anschaut, dann sieht man sehr deutlich, daß die Besucherzahl aus den USA vor einigen Wochen auch schon weit über 3 Millionen lag. >Forts.
Am 5. Februar 2008 um 14:50 Uhr
>Forts.
4.2: Das heißt aber auch, daß die DJV-Beispielrechnung nicht stimmen kann. Weil sie von einer zu niedrigen Grundgesamtheit ausgeht.
4.3: Rechercheure sollten außerdem wissen, daß Quantcast nicht als verläßliche Quelle für Daten gilt. Vielleicht für grobe Hochrechnungen oder Vergleiche - aber doch nicht für solche Rechnungen, wie sie hier praktiziert werden. Die genannten Zahlen scheinen also ohne wirklichen Informationswert zu sein.
5. Punkt:
Zur Rolle, die Suite101 in den USA spielt, kann ich nichts sagen. Das weiß ich nicht. Falls jedoch die Recherchen des DJV in diesem Punkt stimmen sollten, so finde ich es eher bemerkenswert, daß die Website trotz der geringen Bekanntheit so viele Leser anzieht. Scheint also keine Marketingblase zu sein.
6. Punkt:
Der wahrscheinlich gravierendste Punkt und gegebenenfalls ebenfalls presserechtlich interessant ist die Behauptung, Suite101 könne Zusammenarbeit jederzeit beenden und insofern die Subdomain, die ein Autor populär gemacht hat, anderweitig vergeben - woraufhin der Autor seine Honorare verlöre. Das ist wohl der schwer wiegendste Einwand des DJV: Selbst wenn mal hohe Einnahmen erzielt würden durch einen Autor, wären diese nicht sicher.
Zumindest aus meinem Autoren-Vertrag geht etwas anderes hervor. Hiernach entfalten die Regelungen zum Honorar auch nach Beendigung der Zusammenarbeit eine so genannte Nachwirkung (1.2 und 3). Dies wiederum würde bedeuten, daß die Honorare weiter fließen. Auch wenn Autor und Suite101 nicht mehr zusammenarbeiten. Laut Vertrag gibt es hierfür keine Zeitbegrenzung.
Zumal, jedenfalls soweit ich die technische Struktur der Seite bisher verstehe, die Umsätze der Artikel gar nicht an eine Subdomain gekoppelt sind, die anderweitig zu vergeben wäre. Allerdings, ein Disclaimer, reicht mein technisches verständnis nicht aus, dies abschließend zu beurteilen. Falls das aber stimmen sollte, dann brächen weite Teile der Argumentation des DJV in sich zusammen. Das würde bedeuten, ein Autor, der regelmäßig 5, 50, 100 oder 300 Euro pro Monat via Suite101 einnimmt, nähme diese auch nach Beendigung der Zusammenbarbeit ein. Wäre dem so, so könnte dies zumindest für einen Teil der Autoren bedeuten, daß die langfristige monatliche Bezahlung sogar die Bezahlung per einmaliger Pauschale übersteigen kann. Das Honorar wäre demnach noch fairer, sozusagen. Sogar deutlich, falls die Seite über mehrere Jahre liefe.
Diese Aufzählung von Merkwürdigkeiten ist sicherlich nicht vollständig. Aber sie erschüttert zumindest in meinem Fall das Vertrauen in die Verläßlichkeit der DJV-Beiträge. Insbesondere dann, wenn die Suite101 Aussage stimmen sollte, daß niemand vom DJV jemals Kontakt mit Ihnen aufgenommen hat. Suite101 hat mir bislang keinen Anlaß geliefert, an seinen Aussagen zu zweifeln.
Ich bin sehr gespannt, was der DJV zu diesen Punkten sagen hat.
Marek Zill
Am 5. Februar 2008 um 16:47 Uhr
@zu Marek Zill:
Vorbemerkung: Schön, dass die Autoren von suite101 unsere Positionen zur Kenntnis nehmen und sich damit auseinandersetzen. Mehr war gar nicht beabsichtigt. Kann übrigens bei eventuellen Honorarverhandlungen in der Zukunft helfen, dass “die vom DJV” ja noch viel wildere Vorstellungen über angemessene Honorare haben.
1. Natürlich steht die Regelung zum “Klickbetrug” im AutorenVERTRAG. Ein Vertrag gilt aber bei mehrfacher Verwendung sowohl juristisch als auch umgangssprachlich als “Geschäftsbedingung”, deswegen ist diese Bezeichnung vollkommen in Ordnung. Es wird doch erlaubt sein, die Frage zu stellen, warum das extra geregelt wird. Mutmaßlich, weil die “Klicks” eines Tages - wie in den USA - die bestimmende Honorierungsmethode sein sollen. Und warum sollte denn jemand die “Klicks” manipulieren außer aus Frust? Aus Freude? Aus technischer Neugier? Die Vermutung, dass es aus Frust passieren könnte, liegt bei den zu aller Wahrscheinlichkeit sehr geringen Umsatzprovisionen doch nahe, erst recht, wenn explizit im Vertrag/den Geschäftsbedingungen von “Klickbetrug” die Rede ist.
2. Nein, da ist nichts gewollt. Kann ich ergänzen, “im Internet” und das “mindestens” auch streichen, es ändert an der Sache nichts. Es ist doch nicht so, dass wir etwas gegen suite101 per se haben. Alles easy.
3. “Mag sein, dass sich Burda Digital Ventures beteiligt”. Das war nicht als Zweifel gemeint, sondern als Relativierung dieses Arguments. Obwohl sich ein Investor mit glänzenden finanziellen Möglichkeiten beteiligt, wird den Autoren ein Honorarmodell angeboten, dass aus unserer Sicht zu nicht angemessenen Honoraren führen wird.
4.1 Es ist in unserem Text nie in Frage gestellt worden, dass suite101 weltweit 4,5 Millionen Besucher hat. In unserem Text wurden die USA-Werte behandelt: “In den USA hat suite101 laut dem Internet-Statistikdienst Quantcast Platz 775 unter den US-Seiten mit rund 2,8 Millionen Besuchern”. In den USA! Dass es Leser auch in England oder Israel gibt, kann man im Internet selbst aus Reaktionen oder Diskussionsforen ersehen. Nur was ändert das an unserer Berechnung? Dass die Werte für die Dollar-Beteiligung DOPPELT so hoch ausfallen? Ja, und wieviel wären das dann? Rechnen wir es doch einmal vor. Nehmen wir an, suite101 hätte 10 Millionen Besucher. Bei derzeit wohl - wenn ich es richtig gelesen habe - 800 Autoren macht das im Jahr durchschnittlich rund 11.500 “Klicks”. Nehmen wir an, es würden pro 1.000 Euro nicht - wie im Internet zu lesen - 2 Dollar, sondern 5 Euro gezahlt. Dann käme der Durchschnittsautor auf generöse 57,50 Euro. Im Monat? Im Jahr? Ist eigentlich egal, weil man damit in jedem Fall nicht einmal die Heizungskosten bezahlen kann. Das Problem liegt also nicht daran, ob weltweite oder USA-Zahlen für die Entlohnung herangezogen werden - sondern darin, dass es strukturell vollkommen unangemessen ist und bereits aus der Zahl der Teilnehmer folgt, dass es nur “very, very little” bleiben kann.
4.2 Quantcast ist nicht verlässlich? Klar sind es Schätzzahlen, wenn man aber einige Tests mit Vergleichsseiten macht, scheint es doch relativ realistisch zu sein. Dass rund 1,7 Millionen Besucher (bzw. “uniques”) von außerhalb der USA kommen, wäre bei einer englischsprachigen Seite überhaupt nicht ungewöhnlich. Für die Werber in den USA sind freilich die US-Zahlen entscheidend. Was würde es ändern, wenn es in den USA mehr wären? Die Zahl von 4,5 Millionen wird doch von uns gar nicht in Frage gestellt. Selbst bei 10 Millionen Abrufen, also dem Doppelten des von suite101 Angegebenen ändern sich die durchschnittlichen Ausschüttungen doch in keiner wirtschaftlich signifikanten Weise. Ich gehe im Übrigen davon aus, dass die Vorrangstellung von “southerncuisine” in der Tat zutrifft, es wäre allzu natürlich. In Deutschland ist ja bekanntlich auch Marions Kochbuch ein Schlager unter den Internetseiten.
5. 2,8 - 4,5 Millionen Besucher sind in den USA nicht viel. Das Land hat dreimal so viele Bewohner wie Deutschland, so dass die Abrufzahlen allenfalls 1 Million in Deutschland entsprechen, eher noch darunter. Also Abrufzahlen einer Seite wie http://www.rund-ums-baby.de , siehe www.ivw.de
6. Ob Du eine eigene Subdomain erhältst (oder mit anderen in eine gemeinsame reinsortiert wirst) - wie bei suite101.com ersichtlich - oder nach einem anderen System vermarktet wirst -selbstverständlich ändert sich am Sachverhalt nichts: Am Ende bist Du nur ein Textlieferant, glaubst aber, Du würdest so etwas wie ein gemeinsames Produkt aufbauen. Möglicherweise erhöhst gerade Du die Klickzahlen durch Deine Beiträge. Wenn die Geschäftsführung mit Dir die Geschäftsbeziehung beendet, was bleibt? Ja, natürlich, die “Klicks” auf die verbleibenden Texte (mit fortschreitendem Alter der Beiträge auch eher absinkend). Aber worum es bei dem Argument “Kündigung” geht: Denk immer daran, dass etwas so wie eine garantierte Position nicht geben wird, und daher das Prinzip Hoffnung (”Irgendwann kommen die großen Ausschüttungen”, “irgendwann werde ich leitender Redakteur bei suite101″) nicht als Kalkulationsgrundlage dienen kann.
Abschlussbemerkung: Die Keule mit dem “presserechtlich” kannst Du Dir sparen. Ein Jammer, wenn so diskutiert wird. Aber vielleicht ist das ja die Publicity, an der suite101 gelegen ist. Na denn…
Am 5. Februar 2008 um 19:21 Uhr
@Lieber Marek. Ich kette mich nicht an den DJV. Ich arbeite freiwillig mit, Anderen zu einem gerechteren Einkommen zu verhelfen. Das heist keineswegs, dass ich jede Position des DJV teile. Das hätte Dir bei einer kleinen Recherche auch durchaus auffallen können.
Schön, dass Du Jura studierst. Ich hoffe, Du nutzt die Chancen, die sich in diesem Studium bieten. Mir hat besonders die Gerichtsmedizin (man lernt wirklich etwas fürs Leben) und Rechtssoziologie gefallen. Mit Presserecht habe ich mich erst nach dem Studium wirklich auseinandergesetzt. Die Bemerkungen Deinerseits hierzu sind allerdings eher, wie soll ich es nett formulieren, unfreiwillig komisch.
Suite101 mag für Hobbyschreiber okay sein. Die Kritik des DJV richtet sich meiner Ansicht nach dagegen, dass hier um Journalisten geworben wird. Für die ist die Bezahlung nun einmal einfach schlichtweg zu gering. Dabei wird ja sogar noch positiv hochgerechnet. Ich möchte hier aber auch an dieser Stelle auch einmal auf die Blogbeiträge (ehemaliger) Autoren in den USA verweisen, die alles Andere als zufrieden sind, insbesondere, was die Bezahlung für ihre Mühen angeht. Allerdings muss man suite101 dort zugute halten, dass sie nicht versucht haben, wirklich Journalisten als Autoren zu gewinnen. Das ist hier aber der Fall. Kollegen und Kolleginnen werden gezielt auf den entsprechenden Plattformen angeworben. Da darf man sich nicht wundern, wenn eine Journalisten-Organisation dafür Eintritt, dass diese dann auch fair bezahlt werden.
Am 5. Februar 2008 um 20:40 Uhr
Warum die Aufregung? suite101 bietet Autoren die Möglichkeit, bereits gedruckte Artikel nochmal im Internet zu verwerten, mit wenig Aufwand. Viel aufwändiger ist es, Geschichten an x Zeitungen zu schicken, ohne jede Garantie, einen Cent dafür zu bekommen! Das kann man im Übrigen parallel tun, die Printrechte bleiben ja bei den Autoren.
Mir scheint, dass einige Schreiber dieses Prinzip gar nicht verstanden haben.
Die Start-Autoren konnten sich ein paar Hunderter nebenbei verdienen. Glücklich, wer so eine Chance auf Zweitverwertung nicht nötig hat! Ich bin jetzt gespannt, ob auch in den kommenden zwölf Monaten Geld rüberkommt. Selbst wenn nicht, war das bestimmt nicht die größte Enttäuschung meines Berufslebens.
Am 11. Februar 2008 um 22:44 Uhr
also, ganz so einfach ist das nicht. denn fast jede zeitung stellt seine print-texte auch online. die suite101-texte dürfen aber nirgends sonst im internet erscheinen!
Am 25. Februar 2008 um 23:24 Uhr
Die meisten Besucher auf Suite101 kommen per Suchmaschine, jedenfalls in den Staaten, die Vermarktungsleistung von Suite101 ist eher als gering einzuschätzen.
Da auf anderen PTWs keine Exklusivität gefordert wird, können Autoren Beiträge gleichzeitig auf verschiedenen Plattformen einstellen und versuchen dort Leser zu finden.
Der kritischstePunkt m.E., dass Autoren nur an den Einnahmen aus den Werbeeinnahmen über Sponsored Links (zur Zeit exklusive Google) beteiligt werden, Einnahmen aus klassischer Onlinewerbung (z.B. Werbebannern) und alle Sonderformen bleiben außen vor.
Zusammenfassend, die Bedingungen auf der Plattform suite101 bevorzugen sehr einseitig den Betreiber der Plattform.
Am 8. Juli 2008 um 04:08 Uhr
ich bin mehr als zufällig auf suite101 gestoßen, und zwar durch eine art werbebanner auf einer seite, auf die ich auch nur durch zufall gestoßen bin, und ich hätte mir die seite niemals angesehen, wenn der banner nicht den titel “freie autoren gesucht!” getragen hätte……..soviel schonmal zur “popularität” von suite 101.
da ich (immer) auf jobsuche bin, habe ich mir das mal angesehen und fand es inhaltlich teilweise tatsächlich ganz okay, wenngleich auch unübersichtlich, was klar ist angesichts der tatsache, das thematisch eigentlich alles behandelt wird. dann habe ich mich angemeldet und beworben. das habe ich aus reiner neugierde und entsprechend schlampig getan: die beiden probetexte waren aufgrund der tatsache, dass ich einen “fremdrechner” benutzte, der kaum texte von mir enthielt, erstens völlig veraltet, zweitens viel zu lang und drittens nur regional interessant. wenige stunden später (mitten in der nacht!) bekam ich per mail eine zusage und wurde als “sehr geehrte/r herr/frau schnase” angeredet.
ich arbeite als freie autorin für ein paar hundert euro im monat, zu mehr habe ich es bislang in diesem sektor nicht gebracht, aber selbst mir war bereits nach dieser dubiosen zusage klar, dass es zu keiner “zusammenarbeit” kommen würde. über alle(s) andere(n) kann ich nur den kopf schütteln.
Am 10. Mai 2010 um 19:39 Uhr
Hallo zur zeit(bis November) mache ich eine Weiterbildung bei der ILS Hamburg zur Journalistin.Zufällig bin ich auf suit101 gestoßen und wollte mich da gleich anmelden.Da ich aber stutzig geworden bin wollte ich erstmal meinungen wissen und kam auf diese seite.Jetzt bin ich sehr durcheinander.Für mich soll der Journalismuss erstmal nur ne Nebentätigkeit sein.Hält das hier jemand für sinnfoll,das ich mich dort bewerbe?Wenn nein wieso nicht?
lg janine
Am 15. Mai 2010 um 13:10 Uhr
Hallo Ihr Lieben!!!!!
Geld, Geld, Geld, hahahahaha. Wenn ich Geld verdienen wollte wäre ich Banker geworden. Geld hab ich bei Geo, stern, Merian, DuMont, Kosmos,
playboy, Waz, u.s.w. auch nicht im Übermaß verdient. Wir kleinen Wichte wissen wie es hinter den Kulissen aussieht, beim Spiel ums Geld ist weder bei der DJV IG Medien noch bei burda suite 101 anders. Aber solange es Spaß macht, finde ich es gut jedem eine Plattform zu bieten. Ich mach nun 30 Jahre Journalismus und will mir keine Gedanken machen Gummibärchen an den Mann zu bringen oder berühmt zu werden wie Werner Höfer, der fürs liebe Geld auch Mitarbeiter der NS-Propaganda-Zeitung Das Reich wurde. Sein Text über die Ermordnung von Pianist Karlrobert Kreiten, mag man mit auf den Weg geben.
„Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen. Das Volk fordert vielmehr, daß gerade der Künstler mit seiner verfeinerten Sensibilität und seiner weithin wirkenden Autorität so ehrlich und tapfer seine Pflicht tut, wie jeder seiner unbekannten Kameraden aus anderen Gebieten der Arbeit. Denn gerade Prominenz verpflichtet!“ (Werner Höfer 20.9.1943)
Also Sportsfreunde, wer schreibt der bleibt, Geld stinkt immer und die Wahrheit ist für jeden eine andere.
Am 25. Mai 2010 um 18:01 Uhr
Ich bin durch Zufall auf suite 101 und in der Folge auch auf dieses Blog gestoßen, und ich muss sagen, die Darstellung seitens des DJV ist ja noch eher zurückhaltend. Da fallen mir beim Durchlesen des Autorenvertrages gleich mehrere Sachen unangenehm auf, auf die hier nur kurz oder gar nicht eingegangen wurde.
1. Suite 101 erhält nicht nur das Recht für die exklusive Veröffentlichung im Internet für ein Jahr, sonder darf die Inhalte auch danach unbefristet (allerdings nicht exklusiv) weiter veröffentlichen, und zwar im Internet und in “anderen elektronischen Medien”. Diese anderen elektronischen Medien können zum Beispiel CD-ROMs sein, oder Datenbanken jeder Art. Für derartige Zweitnutzungen ist allerdings KEIN Honorar vorgesehen.
2. Nicht nur kann Suite 101 die Texte selbst auf CD-ROM brennen bzw. in Datenbanken o.ä. einspeisen, sondern Suite 101 kann alle Texte auch an andere Web-Seiten und an beliebige andere selektronische Medien lizensieren. Mit anderen Worten: Suite 101 kann alle Texte gegen gutes Geld weiterlizensieren, der Autor sieht davon keinen Cent.
3. So nebenbei stimmt man auch zu, dass persönlichen Daten (Autoren-Info, Foto) kostenlos von Suite 101 “für Marketing-Zwecke” benutzt werden dürfen, und zwar in “allen Medien”, ohne den Autoren fragen zu müssen. Also stellen wir uns das mal vor: Suite 101 kann eine weltweite Werbekampagne starten mit dem Gesicht und dem persönlichen Profil eines Autoren. Das läuft im Fernsehen und in der Anzeigenwerbung in Zeitschriften, überall ist das Bild des Autoren zu sehen, und er bekommt dafür exakt… jawohl, 0,00 Euro Honorar.
4. Die Vertragskündigung ist für beide Seiten fristlos per E-Mail möglich. Darüber bin ich jetzt echt gestolpert, ich hätte angesichts des übrigen Vertragstextes hier erwartet, dass Suite 101 fristlos durch unbestätigte Mail kündigen kann, der Autor jedoch nur persönlich in Vancouver, Kanada, bei der dortigen Geschäftsstelle. Einen Haken hat die Kündigung aber: Als Folge der Kündigung behält Suite 101 für ewig das Recht, die Artikel weiter veröffentlicht zu lassen. Hier wäre es schön gewesen, wenn auch die weitere Honorierung der Beiträge geregelt wäre, aber davon findet sich kein Wort im Vertrag.
5. Die geforderte “Mindestleistung” von 10 Artikel in 3 Monaten ist zwar nicht weltbewegend, aber dennoch an sich schon eine Frechheit.
6. Jetzt geht’s ums Geld. Im Vertrag heißt es: “Diese (Tantiemen) ergeben sich aus einem, auf dem Ermessen von Suite101 und seinen Werbepartnern beruhenden, Anteil der Werbeumsätze jener Unterseiten der Webseite, auf denen Inhalte des Autoren vollständig erscheinen.” Also, es gibt keine nachvollziehbare Formel, keine Zusage, was gezahlt wird, es geht nach “Ermessen”. Also, liebe Leute bei Suite 101, so kann ich auch ein Gewerbe aufziehen: Ich stelle Leute ein und gebe Ihnen einen Arbeitsvertrag wo drin steht, dass der Arbeitgeber alles darf, der Arbeitnehmer nichts, und als Bezahlung erhält er ein variables Monatsgehalt “im Ermessen der Firmenleitung”, natürlich ohne Garantie.
7. Aber es geht ja noch weiter. Klickbetrug wollen wir alle nicht, wir sind ja ehrliche Menschen. Allerdings: “Sofern Suite101 nach eigenem Ermessen feststellt…” - Also das lässt aufhorchen. Das heißt nichts anderes, als das Suite 101 einfach behaupten kann, dass Klickbetrug vorliegt, und schon können die Tantiemnen des Autoren komplett gekappt werden (die Texte bleiben aber im Netz). Also, der Autor hat keine Rechte, Suite 101 hat alle Rechte…. auch das Recht der Willkür und das Recht, Texte ohne Bezahlung zu veröffentlichen.
8. Richtig aus dem Tollhaus ist dann Absatz 6: “Der Autor stellt hiermit Suite101, seine Angestellten und Mitarbeiter, Vertreter und Werbepartner von jeglichen Ansprüchen frei, die im Zusammenhang mit den vom/von Autor an Suite101 übermittelten
Artikeln und Inhalten geltend gemacht werden ” - Ich weiß nicht, ob das allen Leuten klar ist, die so einen Vertrag abklicken, aber auch gut Deutsch heißt das nach meinem Verständnis: Irgend ein Irrer verklagt Suite 101 wegen eines Artikels. Alle Anschuldigungen sind völlig aus der Luft gegriffen. Suite 101 hat aber das Recht, von allen damit verbundenen Kosten durch den Aitoren freigestellt zu werden. Wahlweise kann Suite 101 also verlangen, dass der Autor auf eigene Kosten einen Prozess gehen den Kläger führt, bzw. der Autor muss die Kosten der Rechtsverteidigung durch Suite 101 übernehmen, auch wenn deren Anwälte sich z.B. aus Interessenskonfilt nicht besonders schlau verhalten sollten. Richtige Verlage beschäftigen aus genau diesem Grunde große Redaktionen, die mit ihrem Sachverstand dafür sorgen, dass möglichst keine juristisch bedenklichen Sachverhalte erscheinen. Hier spart man sich die Redaktion und wälzt die Kosten im Schadensfall einfach auf den Autor ab.
Nebenbei bemerkt: Kann es sein, dass der DJV auf diesen Punkt nur deshalb nicht kommt bei der Aufzählung der schlimmsten Vertragsinhalte, weil das auch bei bislang seriösen Verlagen immer mehr um sich greift? Ich bin selbst vor einigen Jahren vom Geschäftsführer eines Schweizer Buchverlages unflätig am Telefon beschimpft worden. Grund: Ich wollte eine entsprechende Vertragsklausel (”… stellt den Verlag von allen Forderungen Dritter, berechtigt oder unberechtigt, frei…. Gerichtsstand Zürich für alle solche Auseinandersetzungen Zürich.. Verlag hat das Recht, eigene Anwält zu bestellen, der Autor trägt dafür alle Kosten…”) nicht unterschreiben.
Also, wenn ich je in meinem Leben einen Knebel-Vertrag gelesen habe, dann den von Suite 101. Früher gab es ja mal solche Sachen wie den Mustervertrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels… das waren solche Sachen noch halbwegs fair geregelt. Inzwischen ist, Dank der tollen sozialen Vorarbeit der ehemaligen Regierung, auch hier Wildwest und das Recht des Stärkeren das Einzige, was gilt.
Allerdings bin ich sicher, es kommen auch wieder andere Zeiten, denn Wildwest und Zocker-Casinos als Grundlage einer Volkswirtschaft, dass kann es soch irgendwie nicht sein.