Müssen wir zu Suchmaschinen-Journalisten werden, Herr Oefele? - Ein Interview
3. März 2010
Die zunehmende Kommerzialisierung der Internetpublizistik durch Anzeigenplatzierung führt zu neuen Geschäftsmodellen, bei denen Beiträge in massenhafter Anzahl auf „Content-Farmen“ veröffentlicht und mit Blick auf Mechanismen von Suchmaschinen optimiert angeboten werden. Die Anbieter rechnen mit Einnahmen aus Werbung. Manchmal schütten sie auch kleine Beiträge - oft am Besucherverkehr orientiert - an Autoren aus. Die Rede ist von Angeboten wie Suite101.de, das schon in Deutschland tätig ist, sowie dem US-Anbieter Demand Media, für den das in der Diskussion steht.
Was heißt das für alle diejenigen, die mit eigenen Angeboten im Netz aktiv sind? Müssen (freie) Journalisten in Zukunft suchmaschinenorientiert schreiben, wenn sie im Netz publizieren? Wie geht dieser „Suchmaschinen-Journalismus“ eigentlich?
Wir fragten Peter Oefele aus München, der unter der Adresse „webworker.net“ im Bereich Suchmaschinenoptimierung und Webdesign sowie als Webmaster tätig ist. Wie es sich im Suchmaschinenzeitalter gehört, fanden wir den Suchmaschinenoptimierer beim „Googlen“ nach einem Experten ganz oben bei den Suchergebnissen…
freienblog: Demand Media in Deutschland, droht der Konkurrenz, gerade kleinen Fach- oder Lokalblogs, bald der Untergang, weil eine Riesenplattform einfach den gesamten (Reputations-)Verkehr auf sich zieht?
Oefele: Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Sprache und die Möglichkeiten mit ihr Content darzstellen, ist dafür “zu unendlich”. Denken Sie an all die unterschiedlichen Bücher, die jemals geschrieben wurden. Für genauere Prognosen müsste man mal den US-amerikanischen Sprachraum unter die Lupe nehmen, wo Demand Media bereits aktiv ist. Aber grundsätzlich gilt hier nach meiner Meinung: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wer gut optimiert, bleibt auch weiterhin auffindbar.
freienblog: Google & Co machen viel davon abhängig, ob Plattformen und andere auf ein Internetangebot verlinken. Führt das nicht dazu, dass ein Großanbieter (wie Demand Media oder Suite101 oder auch Springer) durch gezielte Verlinkung die eigenen Angebote in den Vordergrund drängt, oder wird das durch die einschlägigen Algorithmen ausgebremst?
Oefele: In erster Linie kann ich ihnen dazu sagen, dass das gegenseitige Aufeinander-Verlinken (in etwa vergleichbar mit dem Pagerank) nur ein Faktor des Algorithmus ist. Für den Fall, dass der Aspekt gegenseitiges Aufeinander-Verlinken dazu führt, dass Suchmaschinen ihrer Basis-Dienstleistung (hochwertige Suchergebnisse mit einschlägigen Inhalten auszuwerfen) nicht mehr sauber nachkommen können, wäre es für die jeweilige Suchmaschine ein Leichtes, dieses Bewertungskriterium einfach abzuschalten. Sobald gewisse Anbieter dadurch zu Monopolisten würden, wäre dieser Fall nach meiner Meinung gegeben. Die jeweilige Suchmaschine würde dann ja nicht mehr Ergebnisse aus dem Internet, sondern Ergebnisse der Monopolisten auswerfen. Und somit ihren Zweck und Grund-Ethos verfehlen. Wenn es den Monopolisten allerdings gelänge, die tatsächlich besseren Inhalte en masse zu erzeugen, dann wären sie zu Recht ganz oben in den Rankings.
freienblog: Kann Suchmaschinenoptimierung gelernt werden oder sollte man - für einen Betrag XY (welcher, schätzungsweise), die eigene Webpräsenz “im Auftrag” von jemanden wie Ihnen optimiert werden?
Oefele: Ja, kann gelernt werden - zuvor sollte aber jedenfalls (X)HTML/CSS erlernt werden. Um gut zu sein noch deutlich mehr. Erst danach kommt Suchmaschinenoptimierung. Professionelle Suchmaschinenoptimierung setzt ein breites Verständnis von Funktionsweise und Anatomie von Webseiten und Internet absolut voraus. Wie überall - und hier wohl noch mehr als wo anders - gilt: besser den Profi ranlassen. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Aspekt, dass falsche / vermeintliche Suchmaschinenoptimierung sich nicht wertverbessernd, sondern - sogar langfristig - wertvernichtend auswirken kann.
freienblog: Muss ich als Journalist/in suchmaschinenoptimiert schreiben, denken, ja sogar recherchieren, oder gibt es Möglichkeiten, weiter klassisch zu arbeiten, aber mich mit anderen Mitteln auffindbar zu machen? Durch Verschlagwortung? Präsenzen in vielen Datenbanken und Verzeichnissen? Kommentareinträgen in Fachblogs? Muss man sich “Verschlagwortungs-Tools” zulegen? Gibt es - günstige - Anbieter, die so etwas unter Umständen automatisiert machen, so dass man nicht selbst zum “Verschlagworter” wird?
Oefele: Die Frage ist sehr pauschal - aber eines kann man sagen. Wenn es leistungsfähige günstige (automatische) Anbieter gäbe, hätte jeder hohe Rankings. Insofern ist dieser Ansatz eigentlich undenkbar.
freienblog: Hilft es, wenn Journalisten untereinander aufeinander verlinken, oder gilt hier das gleiche wie bei Großverlagen: Google & Co bremsen das aus?
Oefele: Hilft super!
freienblog: Allgemeine Einschätzung: Werden die Großen die Suchmaschinen monopolisieren können, oder wie schafft man es, ihnen ein Schnäppchen zu
schlagen?
Oefele: Nein, werden sie nicht können. Sofern Schnäppchen schlagen nötig ist: die eigenen Angebote einfach höher und spezieller optimieren. Die
Möglichkeiten sind quasi unendlich. Das heißt auch, dass ich speziellere Komplexe durch spezielle Behandlung spezieller optimieren kann. Wenn “die Großen” unendlich viele Inhalte produzieren und dabei unendliche Möglichkeiten ausschöpfen würden, müssten sie unendlich viel Arbeit, geleistet von unendlich viel unendlich gut ausgebildeten Mitarbeitern erledigen… Und für den Fall, dass sie diese Unmöglichkeit möglich machen, würden Google und Konsorten sehr schnell Mittel und Wege finden das zu regulieren (sofern aus ethischen Gründen nötig)
freienblog: Kann die Optimierung in Seminaren gelernt werden? Welche Bücher und Quellen empfehlen Sie?
Oefele: Sie müssen sich in das Thema reingoogeln. Davon abgesehen biete ich Interessenten auf Rückfrage meine Ausarbeitung “Von Null auf Eins?! - Allgemeines und Wissenswertes zur Suchmaschinenoptimierung” an. Dieser Artikel kann per E-Mail kostenfrei bei mir angefordert werden.
Das Interview wurde per E-Mail geführt.
